„Sag mal,“ schimpfte ich Labkraut, „kannst du dich mal beeilen bitte?“
Ungeduldig trat ich auf der Stelle. Der kleine Kobold schien hingegen keine Eile zu kennen. Ganz im Gegenteil, er sah mich höchst interessiert an.
„Na komm schon,“ seufzte ich. „Ich hab heute auch noch was anderes zu tun!“
„Aha. Und was?“, fragte Labkraut.
Ich blinzelte. „Na… Dinge eben! Wichtiges!“
Er grinste. „So wichtig, dass du keine Zeit hast, mir beim Warten zu helfen?“ Dann hockte er sich hin und begann, mit einem Stock Kreise in den Boden zu malen.
„Du bist unmöglich.“
„Bin ich nicht. Ich bin geduldig.“
Ich setzte mich widerwillig neben ihn. „Worauf warten wir überhaupt?“, fragte ich schließlich.
„Darauf, dass’s reif ist.“
„Was denn?“
Er deutete auf den Pilz vor uns. Ein schöner junger Parasol.
„Sieht doch fertig aus“, sagte ich.
„Fertig ist nicht dasselbe wie reif“, sagte Labkraut und gähnte.
Wir saßen schweigend da. Minuten dehnten sich zu Stunden – oder vielleicht war es nur mein Kopf, der sich wehrte. Dann, ganz plötzlich, öffnete der Pilz seinen Schirmhut.
Labkraut nickte zufrieden. „Na siehst du. Jetzt. Und was lernen wir daraus?“, fragte er mit einem Zwinkern.
Ich seufzte und lächelte. „Dass alles zu seiner Zeit kommt.“
„Richtig“, sagte er. „Und manchmal erst, wenn du endlich aufhörst, darauf zu drängen.“






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