„Hast du das schon gesehen!“ Labkraut war ganz aufgeregt und winkte mich näher. „Schau mal, da!“
Ich beugte mich über die Stelle, auf die der kleine Kobold deutete, und entdeckte einen winzigen Sämling. Ich konnte nicht erkennen, welche Pflanze das einmal werden würde.
„Weißt du, was das für eine Pflanze ist?“, fragte ich Labkraut.
Der wiegte seinen Kopf nachdenklich hin und her. „Das kann man jetzt noch nicht sagen,“ erklärte er. „Dafür muss der Same noch ein bisschen wachsen, mehr Blätter entwickeln und mehr er selbst werden.“
„Aber was, wenn das irgendein Wucherkraut wird? Dann wärs doch besser, den Sämling gleich auszujäten, oder?“
„Ach was, du schon wieder. Du willst alles sofort sehen und verstehen. Gib dir doch mal Zeit, um zu beobachten, was daraus werden kann! Was, wenn es eine ganz tolle Pflanze wird? Dann wärst du froh, wenn sich wuchert, statt beim kleinsten Windhauch einzugehen.“
Dieser Labkraut hatte einfach eine unwiderstehliche Logik. Ich konnte das Pflänzchen ja wirklich einfach mal wachsen lassen. Wenn sich herausstellen würde, dass es etwas war, was ich im Garten nicht mochte, konnte ich es immer noch entfernen, bevor es selber Samen ausbilden würde. Labkraut schien meine Gedanken zu lesen, denn er nickte wohlwollend.
„Das Leben ist voller Möglichkeiten und der Garten auch. Vielleicht hast du den Samen ja selbst gesät und jetzt keimt er und du würdest das ausreißen, worauf du eigentlich hoffst. Nur weil es sich nicht gleich so zeigt, dass du es erkennen kannst.“





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