„Und,“ fragte der Labkraut, „wie geht’s dir heute?“
„Gut, und dir?“, wollte ich ganz automatisch antworten. Dann fiel es mir auf: Das hatte der Labkraut mich noch nie gefragt! Jederzeit wusste der Labkraut nämlich ganz genau, wie es mir gerade ging. Oft wusste er es besser als ich selber. Also horchte ich mal in mich hinein.
Tatsächlich, da war was! So ein ganz leicht flaues Gefühl … seltsam. Da erkannte ich es!
Verwundert teilte ich dem Labkraut meine Erkenntnis mit: „Ich hab Angst!“
Oje. Es laut auszusprechen, machte die Angst nur deutlicher spürbar. Plötzlich war ich richtig ängtlich, nahe einer Panikattacke. Das gefiel mir gar nicht! Doch Labkraut grinste.
„Du irrst dich schon wieder mal,“ erklärte er mir geduldig.
„Was meinst du damit?“, fragte ich, bemüht, nicht komplett in Panik auszubrechen. „Ich spür doch, dass ich mich fürchte. Siehst du nicht, wie ich zittere?“
„Du irrst dich, weil du glaubst, dass Emotionen etwas sind, das man ‚haben‘ kann,“ erklärte der Kobold. „Sie sind viel mehr etwas, das ausdrückt, was du bist.“
Dieser Gedankengang erschien mir sehr seltsam
„Du würdest dir leichter tun, es zu begreifen, wenn ich es dir in einem freudigen Moment erklärt hätte, stimmts?“, lachte Labkraut. „Wenn ich dir gesagt hätte, dass du die Freude bist, dann hättest du mir leichter geglaubt.“ Da war was Wahres dran. Ich dachte einen weiteren Moment lang nach. Dann erkannte ich es.
„Gehen wir mal davon aus, dass du recht hast und ich all das bin, was ich meine zu fühlen. Dann bin ich ja selber die Angst und wovor sollte bitte die Angst sich fürchten? Vor sich selber? Das wäre ja lächerlich.“
Und dann lachten wir beide. Ganz lang und ganz laut.






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