„Weißt du,“ meinte Labkraut, „es sieht aus, du wärst heute etwas gelangweilt.“
Das kleine Kerlchen sah mich prüfend an. Ich lag ohne eine Regung auf der Couch und genoss das Regenwetter. Die Couch stand nicht etwa im Wohnzimmer, sondern draußen auf der überdachten Terrasse. Den Regen konnte man so nicht nur hören, sondern auch riechen und spüren. Die Luft trug Feuchtigkeit in sich und meine Haare bekamen Locken.
„Fad ist mir eigentlich gerade gar nicht. Ich bin sogar sehr beschäftigt!“, antwortete ich mit etwas Verzögerung dem Kobold.
„Soso,“ erwiderte dieser. „Womit bist du denn beschäftigt?“
„Ich denke,“ antwortete ich. „Und ich atme. Außerdem fühle ich. Und ich höre. Und als wäre das noch nicht genug, bin ich auch noch beschäftigt damit, zu schauen.“
„Das ist eine ganze Menge, was du da machst,“ gab der Kobold zu. „Störe ich dich etwa gar?“
„Aber Labkraut, du störst mich doch nie!“, antwortete ich.
Eine Weile lauschten wir gemeinsam dem Regen. Es war einer dieser Tage, an denen man merkte, dass es Herbst geworden war.
„Bist du traurig, dass der Sommer vorbei ist?“, fragte ich Labkraut.
„Ach woher,“ lachte der Kobold. „Schau dich mal um, wie bunt alles gerade wird! Und du warst den ganzen Sommer über nicht so fleißig wie jetzt, weil du immer zu viel zu tun hattest.“
Die Geschichten vom Labkraut erscheinen auch regelmäßig in der Kikeriki-Zeitung.






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