„Hast du schon gesehen? Es hat geschneit!“ Labkraut strahlte übers ganze Gesicht.
Ich blickte auf die weiße Pracht, etwas weniger begeistert als der kleine Kobold.
„Im Garten ist der Schnee ja schön,“ grummelte ich. „Aber überall sonst nervt er einfach nur. Alles ist rutschig, Schnee schaufeln ist anstrengend und bald bleibt vom schönen Weiß sowieso nur noch Gatsch und Dreck übrig.“
Labkraut schaute mich nachdenklich an. „Ihr Menschen seid schon ein komisches Volk,“ meinte er schließlich. „Ihr stolpert über das Offensichtliche, über den Dreck, die Mühe, die Arbeit, und überseht dabei das Schöne. Der Schnee deckt die Welt für einen Moment zu, macht sie still, weich und gleich.“
„Naja, die Arbeit und der Dreck wird ja nicht weniger, nur weil ich mich über das Weiß freue.“ Ich war immer noch grantig.
Labkraut kicherte leise, schüttelte den Kopf und wirbelte eine Handvoll Schnee auf.
„Nein,“ meinte er, „die Arbeit verschwindet nicht. Aber das heißt nicht, dass ihr das Wunder daneben ignorieren müsst. Ihr könntet beides sehen – die Mühe und das Staunen.“
„Also, ich soll mir jetzt den Gatsch anschauen und mich freuen?“ fragte ich zweifelnd.
Labkraut nickte eifrig, seine Augen leuchteten. „Wer nur auf den Dreck starrt, verpasst das Tanzen der Flocken und das Funkeln des frisch gefallenen Schnees im Mondlicht. Und wenn ihr einmal genau hinschaut, merkt ihr: selbst der Gatsch gehört dazu. Ohne ihn könntet ihr das Weiß nicht so sehr lieben.“





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