Geschichten vom Labkraut: Von Mitleid und Weltuntergang

Ausgezeichnet mit dem
steirischen Renaturierungspreis 2024

„Und, steht die Welt noch?“, fragte Labkraut.

Ich traute mich nicht nicken. Zu viele schlechte Nachrichten hatten in den letzten Wochen die Nachrichten bestimmt. Doch wenn ich mich umsah, schien alles ganz normal zu sein.

„Der Garten zumindest steht noch,“ antwortete ich schließlich. „Ein bisschen zerrupft vom Herbstwetter, aber die Astern fangen gerade zu blühen an und versprechen prächtig zu werden.“

„Das sind doch gute Nachrichten!“, stellte der kleine Kobold fest. „Warum machst du dazu so ein trauriges Gesicht?“

„Na weil rundherum soviel so schief geht,“ versuchte ich zu erklären. „Da bekommt man fast ein schlechtes Gewissen, wenn‘s einem selber gut geht.“

„Ihr Menschen seid wirklich ein eigenes Völkchen.“ Labkraut verdrehte die Augen. „Ihr macht euch Sorgen über Dinge, die ihr sowieso nicht ändern könnt. Und damit legt ihr auf den ganzen Sorgenhaufen noch ein Päckchen oben drauf.“

„Aber man kann doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn irgendwo schlimme Dinge passieren!“, erwiderte ich. „Mitleid ist doch auch menschlich, oder?“

„Wer hat dir denn das eingeredet?“, fragte der Kobold kopfschüttelnd. „Von Mitleid wird das Leid nicht weniger. Was würdest du dir wünschen, wenn bei dir die Kacke am Dampfen ist – dass jemand Mitleid mit dir hat, oder dass jemand kommt und anpackt? Hilf da, wo du helfen kannst, und mach das, was du machen kannst! Und wenn Probleme so weit weg sind, dass du ohnehin nichts tun kannst, dann mach sonst was Sinnvolles.“

„Und was wäre das?“, fragte ich.

„Frühlingsblumenzwiebeln pflanzen wär‘ eine gute Idee,“ erwiderte der Kobold. „Nur für den Fall, dass die Welt auch nächstes Jahr noch steht.“

Die Geschichten vom Labkraut erscheinen regelmäßig in der Kikeriki-Zeitung.

Inhalte zu Kräutern und deren Verwendung sind als Anregung gedacht und ersetzen keinesfalls einen Besuch beim Arzt. Verwende nur Kräuter, die du sicher bestimmen kannst. Für die Umsetzung der Rezepte übernimmst du selbst die Verantwortung.

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