„Sag mal,“ fragte ich Labkraut, „es ist schon wieder ziemlich trocken. Meinst du nicht, ich sollte mal den Garten gießen? Oder kommt heute noch ein Gewitter?“
Labkraut blinzelte verschlafen aus seiner Hängematte.
„Mal sehen,“ gähnte er.
Dieser Kobold hatte echt immer die Ruhe weg, ob es nun drückend heiß war oder schüttete wie aus Kübeln.
„Ja soll ich jetzt gießen oder nicht?“, wollte ich wissen.
„Lass es,“ murmelte Labkraut. „Viel zu heiß.“
Manchmal konnte einen die Faulheit dieses Gesellen echt fast zum Wahnsinn treiben!
„Eben weil es so heiß ist, will ich ja gießen!“, beharrte ich.
„Warum?“, fragte Labkraut. Es war zum Haare raufen mit ihm!
„Wenn ich nicht gieße, vertrocknet alles,“ versuchte ich so ruhig wie möglich zu erklären. Jetzt grinste der kleine Kerl auch noch frech!
„Wenn du gießt, vertrocknet alles,“ entgegnete Labkraut. „Das bisschen Wasser aus der Gießkanne lockt die Wurzeln deiner Pflanzen an die Oberfläche. Deine Pflanzen sind ja nicht dumm. Die wurzeln dahin, wo sie Wasser finden. Und wenn du dann mal nicht gießt, ist alles hin. Wenn du von vornherein nicht gießt, sondern deine Pflanzen einfach machen lässt, dann wurzeln sie in die Tiefe, so weit, wie sie müssen. Da finden sie dann immer Wasser.“
Erschöpft von der Hitze und seinem Redeschwall lehnte sich Labkraut wieder in seiner Hängematte zurück und schaukelte weiter. Ich tat es ihm gleich. Es war sowieso viel zu warm zum Gießen.






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