Geschichten vom Labkraut: Eine strenge Zurechtweisung

Ausgezeichnet mit dem
steirischen Renaturierungspreis 2024

„Weißt du,“ meinte Labkraut, „so ganz recht ist mir das ja nicht, dass ich jetzt in der Zeitung bin.“

Ich war überrascht. „Ja, wieso denn?“, fragte ich ihn. „So können doch viele Menschen etwas von dir lernen!“

Der Kobold schüttelte den Kopf. „Ach, ihr Menschen. Ihr braucht wohl immer jemanden, dem ihr folgen könnt. Und dann macht ihr alles, was man euch sagt, gleich zum Dogma und zum Gesetz.“

Ich dachte nach. „Manche verlassen sich auf die Politik und andere auf ihren Gott,“ gab ich zu. „Und ich verlass mich auf meinen Labkraut. Ist das so schlimm?“

Labkraut seufzte. „Wir kleines Volk haben unsere Kräfte,“ erklärte er. „Damit helfen wir euch gerne, wo wir können. Doch ihr Menschen habt die Macht, eure Welt nach euren Wünschen zu gestalten! Dafür seid ihr hier, also nehmt endlich diese Verantwortung ernst, jede und jeder einzelne von euch, statt darauf zu warten, dass euch Politiker oder Götter retten.“

So streng hatte ich Labkraut noch nicht erlebt. „Das ist aber viel Verantwortung,“ erwiderte ich kleinlaut.

„Fang klein an,“ entgegnete der Kobold. „Fang da an, wo du kannst, und mit dem, was dir zur Verfügung steht. Und das,“ betonte er, „kannst du von mir aus in die Zeitung schreiben.“ Dann ließ er mich einfach stehen.

So ist er, der Labkraut. Und wie immer hat er Recht.

Die Geschichten vom Labkraut erscheinen regelmäßig in der Kikeriki-Zeitung – und nun auch hier im Landsitz-Blog.

Inhalte zu Kräutern und deren Verwendung sind als Anregung gedacht und ersetzen keinesfalls einen Besuch beim Arzt. Verwende nur Kräuter, die du sicher bestimmen kannst. Für die Umsetzung der Rezepte übernimmst du selbst die Verantwortung.

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