Geschichten vom Labkraut: Die beste Pflanzzeit

Ausgezeichnet mit dem
steirischen Renaturierungspreis 2024

„Und,“ kicherte Labkraut, „wie warm ist dir gerade?“

Mir war zu heiß, um eine Antwort zu geben. Jenseits der 30-Grad-Marke funktionierte meine Schlagfertigkeit nicht mehr so richtig. Wie andere bei dieser Hitze Rasenmähen oder Radfahren oder sich generell bewegen konnten, war mir ein Rätsel. Labkraut hingegen war bester Laune.

„Jetzt wäre doch die ideale Gelegenheit, sich Gedanken über den Herbst zu machen,“ schlug er vor. Denken sollte ich also auch noch bei der Hitze.

„Warum?“, fragte ich. „Weil es dann kühler ist?“

„Ganz genau,“ antwortete der Kobold.

„Und du meinst, dann schwitze ich weniger?“ Genervt verdrehte ich die Augen.

„Ganz bestimmt,“ versicherte Labkraut. „Du musst nur richtig nachdenken.“

Dieser kleine Klugscheißer. Mein Mittelfinger zuckte, aber auch dem war es zu warm, um seine Deckung zu verlassen. Labkraut zerkugelte sich vor Lachen. Also tat ich ihm den Gefallen und fragte: „Was meinst du damit, dass ich richtig nachdenken soll?“

„Na, ganz einfach! Denk darüber nach, wo du im Herbst, wenn es kühler ist, noch ein paar Bäume pflanzen könntest, damit du nächsten Sommer, wenn es noch heißer ist, mehr Schatten hast.“

Verdammt. Dieser kleine Kobold hatte einfach immer recht.

„Schatten wird wohl von Jahr zu Jahr begehrter werden,“ gab ich zu. „Und im Herbst ist die beste Pflanzzeit für Bäume.“

„Die zweitbeste,“ erwiderte Labkraut. „Die beste war vor 10 Jahren. Dann hättest du nämlich jetzt schon Schatten.“

Die Geschichten vom Labkraut erscheinen regelmäßig in der Kikeriki-Zeitung.

Inhalte zu Kräutern und deren Verwendung sind als Anregung gedacht und ersetzen keinesfalls einen Besuch beim Arzt. Verwende nur Kräuter, die du sicher bestimmen kannst. Für die Umsetzung der Rezepte übernimmst du selbst die Verantwortung.

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