„Sag mal,“ fragte ich Labkraut, „was kann ich denn jetzt schon tun im Garten?“
„Was willst du denn tun?“, erwiderte der Kobold und gähnte. Schon Frühjahrsmüdigkeit oder noch Winterschlaf? So genau konnte man das um diese Jahreszeit kaum unterscheiden.
„Na, ich will endlich loslegen mit der Gartenarbeit,“ beharrte ich. „Stauden zurückschneiden. Beete umgraben. Blumen und Sträucher pflanzen!“ Die Ungeduld kribbelte in meinen Fingern.
„Viel zu früh,“ gähnte Labkraut. „Die schlafen alle noch.“
„Wer – die?“
„Na, die Insekten, die in den Stauden überwintert haben. Und die Mikroorganismen in deiner Erde. Lass sie doch endlich mal ausschlafen! Du willst doch auch nicht vor der Zeit geweckt werden.“
Nein, das konnte ich tatsächlich überhaupt nicht leiden.
„Aber was kann ich denn dann tun? Irgendwas muss ich doch tun können!“
„Na gut,“ seufzte Labkraut gnädig. „Ich weiß, was du tun kannst. Schnapp dir ein Notizbuch und einen Stift.“
Ich tat wie geheißen. „Und jetzt?“, fragte ich erwartungsvoll.
„Jetzt setzt du dich da drüben hin, da an den Beetrand.“
Ich setzte mich hin. „Und jetzt?“
„Jetzt hörst du zu.“
„Hä?“
„Hör zu, was diese Pflanze da dir erzählen will. Und dann schreibst du es auf. Und wenn du fertig bist, fragst du die nächste Pflanze, was sie dir erzählen will. Und so machst du weiter, bis du entweder mit allen Pflanzen gesprochen hast, oder bis du müde wirst. Und jetzt lass mich weiterschlafen!“
Labkraut gähnte noch einmal, drehte sich um, und begann fast augenblicklich zu schnarchen. Ich machte genau das, was der Kobold mir empfohlen hatte – und war sehr überrascht, wie gesprächig Pflanzen sein können!






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