Geschichten vom Labkraut: Schöner mähen, dümmer gärtnern

Ausgezeichnet mit dem
steirischen Renaturierungspreis 2024

„Sag mal,“ fragte ich Labkraut, „wie schaffst du es eigentlich immer, mit uns Menschen so ruhig zu bleiben?“

„Was ärgert dich denn?“, erwiderte Labkraut, wohl spürend, dass ich innerlich am Kochen war. Ich atmete tief durch und versuchte, ruhiger zu werden. Schließlich wusste ich, dass ungefilterte menschliche Emotionen auf Naturwesen wie den Kobold ziemlich heftig einwirken konnten.

„Mich ärgern die Menschen, die meinen, dass ein Garten ihnen ganz allein gehört,“ erklärte ich. „Als hätten sie ein Recht auf ihre toten Rasenflächen, die sie nie betreten.“ Ich seufzte tief. „Ich versteh es einfach nicht.“

„Ich auch nicht“, zuckte der Kobold mit den Schultern. „Soll ich dir einfach ein bisschen zuhören?“

Es war sehr lieb von dem Kobold, mir zu erlauben, mich so richtig aufzuregen. Also legte ich los:

„Weißt du, mir geht ja noch ein, dass man Rasen haben möchte, auf dem die Kinder spielen können, oder auf dem man ein oder zwei Liegestühle aufstellen kann. Dass man da keine Kleewiese voller Bienen mag, ja klar. Solche Flächen kann man wie einen Teppich in die Gartengestaltung integrieren und sich daran freuen, indem man sie nutzt. Wenn dann aber die Kinder aus dem Haus sind, der Liegestuhl verwaist und das Rasenmähen zu beschwerlich wird, könnte man doch aufhören zu mähen. Eine schöne Blumenwiese wachsen lassen mit ein paar Wegen, die durchführen. Stattdessen wird einfach ein Mähroboter gekauft und weiter alles plattgemacht. Inklusive Igel, Kröten und Käfer. Dumm find ich das. Richtig dämlich. Und ich hab einfach keinen Nerv mehr, freundlich drüber weg zu sehen.“

„Bist du fertig?“, fragte Labkraut. Ganz liebevoll hatte er sich meinen Redeschwall angehört.

„Ich denk schon,“ antwortete ich.

„Geht’s dir besser?“, fragte der Kobold.

„Nur ein bisschen,“ antwortete ich. „Ich würd es denen gern direkt sagen. Aber dann komm ich zu nichts anderem mehr.“

„Dann schreib‘s doch in die Zeitung,“ schlug der Kobold vor, und das war eigentlich eine ziemlich gute Idee.

Die Geschichten vom Labkraut erscheinen regelmäßig in der Kikeriki-Zeitung.

Inhalte zu Kräutern und deren Verwendung sind als Anregung gedacht und ersetzen keinesfalls einen Besuch beim Arzt. Verwende nur Kräuter, die du sicher bestimmen kannst. Für die Umsetzung der Rezepte übernimmst du selbst die Verantwortung.

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