„Hast du schon Pläne für den Sommer?“, fragte Labkraut. „Ihr Menschen seid da ja sehr speziell.“
„Was meinst du mit speziell?“, fragte ich zurück.
„Na, ihr macht doch immer im Sommer irgendwelche Reisen, fahrt irgendwohin. Wie nennt ihr das doch gleich? Urlaub?“ Der kleine Kobold sah mich prüfend an. „Ich versteh’s nämlich nicht. Dieses Konzept, mein ich.“
Ich nickte. Dass der Kobold oft so seine Schwierigkeiten damit hatte, der menschlichen Normalität einen Sinn abzuringen, wusste ich. Also versuchte ich, es ihm zu erklären:
„Urlaub bedeutet, dass man frei hat. Dass man nicht arbeiten muss und Zeit hat, Dinge zu tun, für die man sonst keine Zeit hat. Sich erholen zum Beispiel, mal nichts tun, sich entspannen.“
Labkraut sah mich wieder mal mit diesem speziellen Koboldblick an. „Ihr versucht also, die Erholung eines ganzen Jahres in zwei Urlaubswochen zu pressen. Das reicht euch?“
„Naja, in einer perfekten Welt wär das natürlich anders,“ gab ich zu. „Da bräuchte man keinen Urlaub, um sich vom Alltag zu erholen. Aber wir leben nun mal leider nicht in einer perfekten Welt. Also packen wir im Sommer unsere Sachen, suchen uns einen schönen Ort aus, fahren da hin und genießen das Leben.“
Der Kobold blickte sich um. Vor uns lag der Garten ausgebreitet im Sommerlicht. Blumen blühten, Bienen summten und irgendwo plätscherte Wasser. „Ist es dir hier nicht schön genug?“, fragte er verwirrt.
„Doch, der Garten ist wunderschön gerade. Aber den seh‘ ich ja jeden Tag!“, antwortete ich.
„Und trotzdem beschwerst du dich immer wieder darüber, dass du viel zu wenig Zeit hast, ihn zu genießen,“ stellte der Kobold fest. „Warum machst du nicht hier Urlaub?“
Das war eigentlich eine ziemlich berechtigte Frage.








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