Rosen im Naturgarten? Ja klar haben wir jede Menge Rosen! Bei einer der Gartenführungen am Landsitz waren Gäste sehr verblüfft, als ich von den vielen Hagebutten geschwärmt habe, die im Herbst die Rosenlaube zieren.
Wie, Hagebutten? An der Rose? Unsere Gäste konnten da keine Verbindung herstellen. Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass diese Gäste nicht wussten, dass Hagebutten die Früchte der Rose sind!
Man kann ja nicht alles wissen. Allerdings taucht Verwirrung über dieses Thema bei unseren Gartengästen immer wieder auf. Also hier einmal ganz klar: Hagebutten sind die Früchte der Rose. Und die sind für den Naturgarten und für Schlemmermäuler gleichermaßen interessant.
Wird aus jeder Rose eine Hagebutte?
Nein, nicht aus jeder Rose wird eine Hagebutte, aber jede Hagebutte war vorher eine Rose.
Wildrosen als Urform aller Gartenrosen haben fünf Blütenblätter und in der Mitte ein Auge aus unzähligen kleinen Staubgefäßen. Dort findet sich Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten, die dadurch die Rosenblüten bestäuben und dafür sorgen, dass die Hagebutten sich ausbilden können.

Für gefüllte Rosen, wie wir sie aus dem Garten kennen, verwandelten Züchter einen Teil oder sogar den Großteil der Staubgefäße in weitere Blütenblätter. (Wie das geht? Alchemie wahrscheinlich – besser einen Rosenzüchter oder Biologen fragen!)
Für gefüllte Rosen gilt also: Keine Staubgefäße – keine Früchte. Halbgefüllte Rosen, die noch genügend Staubgefäße haben, können aber sehr wohl Hagebutten ausbilden.
Je nach Rosensorte sehen die Hagebutten unterschiedlich aus. Länglich oder rund, winzig in kleinen Büscheln zusammenstehend oder riesig wie Murmeln. Rot, orange und sogar schwarz können die ausgereiften Früchte je nach Sorte werden.
Für Vögel sind die kleinen Früchte eine willkommene Winternahrung, und wer den Aufwand nicht scheut, kann aus ihnen eine vorzügliche Marmelade kochen. Man kann sie aber auch für Naturkosmetik verwenden oder – der Klassiker – Tee daraus zubereiten.
Pflegeintensiv und empfindlich? Das trifft nur auf manche Rosen zu
Wer an Rosen denkt, hat oft die empfindlichen gefüllten Sorten englischer Züchter im Sinn, bei denen der Gärtner oder die Gärtnerin den ganzen Sommer über fast mit der Schere daneben stehen bleiben kann. Ausputzen, schneiden, düngen, Krankheiten bekämpfen – diese Diven wollen Aufmerksamkeit. Wenn dein Herz daran hängt – genieß sie! Wer Rosen liebt, aber wenig Arbeit mit ihnen haben will, ist mit anderen Sorten besser bedient.
Es gibt neben den Wildarten wie Hundsrose oder Bibernellrose auch viele Züchtungen, die kaum Pflege brauchen und perfekt in den Naturgarten passen, wie zum Beispiel die Ramblerrose Paul’s Himalayan Musk oder Strauchrosenklassiker wie Westerwald und Rhapsody in Blue. Auch die persische Rose Bright Eyes trägt bei uns zuverlässig große und lange haltende Hagebutten.
Wenn die Rose dann noch am passenden Standort steht, kann sie zum richtigen Monster werden: Ramblerrosen können ganze Bäume erobern und die etwas kleineren Kletterrosen passen sehr gut an Rankbögen. Auch sie produzieren einiges an Grünmasse und Gewicht, darum sollte der Rosenbogen so stabil gebaut sein, dass er nicht nach wenigen Jahren in die Knie geht. (Hier sprechen wir aus Erfahrung – den billigen Dingern aus dem Supermarkt sollte man den Job nicht übergeben!)
Robuste Strauchrosen wachsen bei uns sogar mitten in der Wiese! Rosen mögen zwar keine Wurzelkonkurrenz, darum brauchen sie ein bisschen mehr Zeit, um richtig einzuwachsen. Sobald die Wurzeln tief genug reichen und ihre Konkurrenz hinter sich gelassen haben, geben die Rosen dann auch an der Oberfläche Gas.
Kost und Logis für unzählige Tiere: So passen Rosen in den Naturgarten
Nicht nur die Hagebutten stehen bei Vögeln hoch im Kurs. Sie nutzen die dornigen Sträucher auch gerne, um sich darin zu verstecken oder ihre Nester zu bauen. Wer sich einmal mit einer Wildrose angelegt hat, bezweifelt nicht mehr, dass ein Nest im Rosenstrauch Katzensicher ist!
Und auch verschiedene Insekten finden in der Rose einen Lebensraum. Bienen, Käfer und allerhand andere Krabbler lassen sich gerne auf ihnen nieder. Auch Läuse fühlen sich von der Rose magisch angezogen. Im Naturgarten kümmert sich aber einer ihrer Fressfeinde darum, dass schnell wieder Ruhe ist.

Rosen schneiden im Frühling ist kein Pflichtprogramm
Man sagt, Rosen müssen geschnitten werden, sobald die Forsythie blüht, damit sie dann schön durchtreiben. Da ist was dran: Es scheint fast, als würden Rosen umso mehr wachsen, je mehr man sie schneidet.
Unsere Monster schneiden wir deshalb so gut wie gar nicht mehr und halten sie nur dort in Zaum, wo die Triebe stören. Das machen wir natürlich nicht im Frühling, sondern dann, wenn die Zweige in voller Blüte stehen – dann fällt nämlich kein Rückschnitt an, sondern ein Blumenstrauß.
Verblühte Blüten lassen wir einfach stehen. Abschneiden wäre schade, schließlich wollen wir ja Hagebutten reifen lassen.
Rosen und Naturgarten passen also definitiv zusammen, wenn man der Rose ihren natürlichen Entwicklungszyklus lässt. Wie so oft im Garten gilt auch hier: Weniger machen ist oft mehr.







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