Gemüsegarten anlegen für Eilige – warum Umgraben zu Unrecht einen schlechten Ruf hat

Da stand ich nun endlich auf meinem eigenen Stück Garten und wollte mein Gemüse anpflanzen. Doch wie kann man möglichst schnell auf einer wilden Wiese einen Gemüsegarten anlegen? Denn loslegen wollte ich mit dem Pflanzen am liebsten sofort und ernten noch im selben Jahr!

Wer einen Gemüsegarten anlegen will und sich ein wenig in die Materie einliest, stellt schnell fest, dass es unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Die eleganteste ist jene, bei der die künftige Beetfläche mit Karton abgedeckt und dann mit Grünschnitt, Blättern und Kompost gemulcht wird. Das war doch eine Idee für mich – doch schnell stellte sich heraus, dass es sooo einfach dann doch nicht war. Denn in meinem „jungfräulichen“ Garten gab es außer Rasen und ein paar verschnittenen Bäumen und Sträuchern nicht viel. Keinen Grünschnitt, keine Blätter und schon gar keinen Kompost. Nur Kartons waren vom Umzug noch massenhaft vorhanden.

So musste Plan B her: Karton und darauf Pflanzerde! Super Idee – bis ich begriff, welche Mengen an Pflanzerde da bewegt werden mussten, um meine Vorstellung von einem Gemüsegarten zu erfüllen. Nach wenig Arbeit klang das auch nicht gerade. Von den Kosten gar nicht erst zu reden … So fügte ich mich schließlich in mein Schicksal und ging das Projekt auf die altmodische Art an.

Ich hol dann mal den Spaten – Gemüsegarten anlegen wie früher

Der Fachausdruck für das tiefe Umgraben von Beetflächen ist „rigolen“. Dabei wird die Erde zwei Spaten tief gewendet. Umgraben hat einen schlechten Ruf, weil dabei der Bodenaufbau gestört wird und kleine Tierchen und Mikroorganismen aus ihrem Zuhause gerissen werden. Doch um eine Wiese urbar zu machen, hat die Methode durchaus ihre Berechtigung. Alles, was man dazu braucht, ist ein Spaten und Muskelkraft.

Vor den Erfolg haben die Gartengötter den Schweiß gesetzt!

Alte Gärtnerweisheit

Rigolen Schritt für Schritt

Zuerst wird an einem Ende des künftigen Beets ein Graben ausgehoben, der ungefähr so tief sein soll wie das Spatenblatt. Das ausgeobene Material kommt ans andere Ende des Beets und wird dort im Gemüsegarten zwischengelagert. Dann wird nochmal eine Spatentiefe Erde ausgehoben. Auch dieses Materiel kommt ans andere Ende des Beets, idealerweise auf eine Plane.

Nun kommt die nächste Reihe dran. Die oberste Bodenschicht mit der Grasnarbe wird wieder einen Spaten tief abgehoben ebenfalls am anderen Beetende zwischengelagert. Nun hast du einen ersten tiefen Graben, einen zweiten „halbtiefen“ Graben und die Wiese. Jetzt geht der Spaß richtig los.

Frisch umgegrabenes Beet für den Gemüsegarten
Beim Rigolen wird der Boden zwei Spaten tief umgestochen.

Die nächste Reihe Wiese wird spatentief abgehoben und kommt verkehrt herum in den ersten Graben. Nun kommt die Erde aus dem zweiten Graben darauf. Die nächste Reihe Wiese kommt in den zweiten Graben. Die Erde aus dem dritten Graben kommt drauf. So geht es immer weiter, bis du am Ende des Beets angekommen bist. Achte darauf, immer die Stufen beizubehalten.

Zum Schluss füllst du die Stufen mit dem Material, das du anfangs zwischengelagert hast, auf. Geschafft – du hast einen Gemüsegarten!

Tipps & Tricks

  • Verwende diese Methode nur, wenn du neue Beete anlegen willst! Bei bestehenden Beeten solltest du das Bodenleben nicht durch Umgraben stören.
  • Leg dein Aushubmaterial auf eine Plane, damit du es am Schluss leichter in den Graben füllen kannst.
  • Achte auf die Grenzen deines Werkzeugs – ein Spaten ist weniger stabil, als er aussieht, wenn man ihn als Hebel verwendet.
  • Bevor du anpflanzt, lass die Erde sich ein wenig setzen und zerkleinere große Erdbrocken.