4 Fakten über Hühner, die dich als Anfänger überraschen werden

Dass auf unserem Landsitz auch eine Schar Hühner wohnen soll, war für uns von Anfang an klar. Dabei hatten wir vor allem eines im Blick: die unvergleichlich guten Eier, bei denen wir ganz genau wissen, woher sie kommen.

Zuerst musste aber ein Hühnerstall her, denn das liebe Federvieh sollte ja auch standesgemäß wohnen. Bei uns bot sich an, einen Raum im Nebengebäude, der früher einmal als Garage gedacht war, umzugestalten: In den 1960ern waren die Autos noch deutlich kleiner als heute und man käme mit einem Fahrzeug aktueller Bauart nicht einmal durchs Tor 😛

Also: Hühnerstall. Die Tiere brauchen eine Sitzstange zum Schlafen, gemütliche Boxen zum Eier legen, saubere Einstreu und immer genug Futter und frisches Wasser. Bald war der Stall fertig und unsere vorerst vier Hühnerdamen zogen ein. Bald lernten wir, dass Hühner mehr können, als Eier legen und dabei gackern.

Hühner
Einzug der Gladiatoren: Die ersten Hühner kamen im Frühjahr 2020 bei uns am Landsitz an.

Aber lies selbst! Hier sind 4 Fakten über Hühner, die dich genau wie uns als Anfänger in der Hühnerhaltung überraschen werden!


Fakt 1: Hühner sind Dinosaurier

Wenn du Hühner bisher für harmlos gehalten hast, werden dich die ersten Wochen nach ihrem Einzug eines Besseren belehren: sie sind Raubtiere und fressen alles, was annähernd in ihren Schnabel passt.

Von wegen, gib ihnen ein paar Körner und gut ist’s. Sie holen sich alle Arten von Insekten, verschmähen aber auch größere Tiere wie Kröten, Frösche und Blindschleichen nicht. Erwischen sie einen derartigen Leckerbissen, wird ihre enge Verwandschaft zu den Dinosauriern deutlich: Eine flüchtet mit der Beute vorneweg und alle anderen jagen laut gackernd hinterher!

Tatsächlich sind Hühner von allen heute lebenden Tierarten am engsten mit den prähistorischen Dinosauriern verwandt. Vielleicht stimmt unser Bild von T-Rex ja gar nicht, und statt eines brüllenden Schuppenmonsters rannte ein flauschefedriges Riesenhuhn gackernd durch die urzeitlichen Wälder …

Hühner Tyrannosaurus Hendl
Tyrannosaurus Hendl? Aber keine Angst, unsere Hühner sind ganz lieb und manche lassen sich sogar gerne streicheln.

Fakt 2: Hühnereier darfst du nicht waschen

Wer die ersten frischen Eier aus dem Legenest holt, wird bald die Erfahrung machen, dass nicht jedes Ei blitzsauber ist. Manchmal kleben Einstreu oder Federn daran oder sogar ein wenig Hühnerkacke. Dann ist es natürlich verlockend, das Ei abzuwaschen. Das ist aber keine gute Idee, denn jedes Ei ist von einer Schutzschicht, der Cuticula, umgeben. Wäscht man diese ab, können Bakterien in das Ei eindringen und sich dort vermehren.

Ei von glücklichen Hühner n
Kann passieren – aber lass es lieber so, als das Ei zu waschen!

Ungewaschene Eier halten auch ungekühlt wochenlang! In der EU ist das Waschen von Eiern sogar untersagt. Sie dürfen nur ohne Wasser oder Reinigungsmittel vom gröbsten Dreck befreit werden. Wenn du es mal gar nicht lassen kannst: Gewaschene Eier musst du unbedingt im Kühlschrank lagern und schnell verbrauchen.


Fakt 3: Den Hühnerstall muss du nicht jeden Tag ausmisten

„Hendl machen doch soooo viel Arbeit, vor allem das Ausmisten!“ Das tägliche Ausmisten ist sicher einer der größten Abschreckungsfaktoren für die Hühnerhaltung. Doch es muss nicht so arbeitsintensiv sein. Wenn du einen festen Stall aus Ziegeln, Beton oder Stein hast, kannst du dir die Arbeit ganz leicht machen und deinen Hühnern trotzdem Einstreu zum Wohlfühlen bieten.

Das Zauberwort lautet „Deep Litter“. Wir haben unseren Stallboden ca. 15 Zentimeter hoch mit Erde bedeckt. Hühner sind ursprünglich Waldbewohner und mögen einen solchen Boden sehr. Sie scharren darin herum und dadurch wird der Dreck, den die Hühner produzieren, immer wieder schön untergegraben. Die Erde saugt die Feuchtigkeit auf und der Hühnermist kompostiert schon im Stall schön vor sich hin. Da stinkt nichts!

Einmal im Jahr wird die Erdeinstreu erneuert und die mit Mist angereicherte Erde kommt als Dünger in den Garten. Nur die Sitzstange, die Hühnerleiter und sonstige exponierte Stellen werden bei uns täglich gereinigt, wenn mal etwas daneben gegangen ist.

Verwende eine solche Erdeinstreu aber nicht in Holzställen, da dort das Material des Stalls darunter leiden würde.


Fakt 4: Hühner können dir im Garten helfen

Hühner scharren gerne und sind in der Lage, ihren Auslauf in etwas zu verwandeln, das eher Ähnlichkeit mit einem Truppenübungsplatz hat als mit einem Garten. Wer gepflegte Rasenflächen will, sollte seine Hühner davon fernhalten. Auch im Gemüsegarten können die Federviecher einiges anstellen: Salat „ernten“ zum Beispiel, Beete durchwühlen oder frisch gesetzte Pflanzen einfach ausgraben.

Solange Essbares im Gemüsegarten wächst, halten wir unsere Hühner daher daraus fern. Doch im Winter dürfen sie sich hier austoben und nach Herzenslust wühlen, scharren und graben, denn damit lockern sie den Boden für die nächste Pflanzsaison. Nebenbei fressen sie auch noch Schneckeneier und Unkrautsamen! Ihre Hinterlassenschaften düngen gleichzeitig den Boden.

Möchtest du Kompost auf deinen Beeten verteilen? Lass deine Hühner den Job machen! Sie kriegen mit ihrem Gescharre jeden Erdhaufen in kürzester Zeit flach.

Huhn auf der Fensterbank - Hühner am Landsitz
Kleine Pause von der winterlichen Arbeit im Gemüsegarten: Madame Huhn besucht uns am Küchenfenster.

Hühner sind also nicht nur tolle Eierlieferanten, sondern auch fleißige Gartenhelfer, und sie zu beobachten kann ebenso spannend wie meditativ sein. Wir können uns unseren Landsitz ohne Hühner nicht mehr vorstellen!